Geschichte des Fitnesstrainings

Frühe Anfänge

Der Beginn des organisierten Sports in Deutschland wird im Allgemeinen „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn zugerechnet, der um 1810 in Berlin erstmals öffentlich turnen ließ, mit der Absicht, eine körperlich fitte Bürgerwehr zu schaffen, um in den Kampf um das von Napoleon besetzte Preußen einzugreifen. Die ersten Sportvereine nach heutiger Anschauung entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts, mangels institutioneller Alternativen damals noch oft mit einer stark politischen Motivation.

Dies war zugleich der Grund für die Schaffung der ersten kommerziellen Betreiber, denn nachdem sowohl die Jahnschen Turnerzusammenschlüsse als auch die frühen Vereine aufgrund ihrer politischen Ausrichtung größtenteils verboten worden waren, bildeten sich ab ca. 1820 in einigen Städten die ersten gewerblichen Anstalten, die dem dortigen Bürgertum die Möglichkeiten zur Ausübung des eigentlichen Fitnesssports boten.

Die Idee der gemeinschaftsorientierten Turn- und Sportvereine wurde von deutschen Emigranten auch in die Vereinigten Staaten exportiert, wo Mitte des 19. Jahrhunderts in Großstädten wie New York, Boston oder Philadelphia erste „Turnvereins“ entstanden. Diese standen dort in Konkurrenz zu den „Clubs“ nach englischem Vorbild, die einen eher statusbezogenen und mehr kommerziellen Charakter hatten sowie die Einrichtungen der YMCA, der Young Men´s Christian Association, die ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts beginnend Fitnesseinrichtungen zur Förderung eines gesunden Körpers und Geistes unterhielten und heute in den Vereinigten Staaten einen der größten Anbieter darstellen.

Eine deutliche Stärkung erfuhr die sportliche Bewegung um 1900 durch die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen nach denen sich immer mehr soziale Schichten sportlich betätigten. Während sich jedoch Arbeiter und Kleinbürgertum eher in die klassischen Turnvereine begaben, wurden die gehobenen Schichten, entsprechend ihrem stärker individualistisch geprägten Wertesystem, Mitglied bei einem der gewerblichen Anbieter. Deren Anlagen hatten zu dieser Zeit Ausstattung und Service betreffend schon sehr viel mit den Studios der heutigen Art gemeinsam. Sie verfügten über vergleichbare Öffnungszeiten, ein relativ breites Angebot an Geräten und waren in der Beschäftigung von Masseuren und teilweise auch Ärzten neben den eigentlichen Übungsleitern bereits vielen heutigen Einrichtungen voraus.

Auch die aus der Gegenwart bekannte Bildung von Zusammenschlüssen von Fitnessbetrieben zu größeren Ketten ist kein rein neuzeitliches Phänomen. So betrieb beispielsweise der französische Gelehrte Edmond Desbonnet bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Vielzahl an Anlagen. Weitere vermeintlich moderne Erscheinungen wie ein Überangebot an Fitnessbroschüren sowie die Existenz einer Fülle an Bildungsträgern mit den unterschiedlichsten Kursangeboten wurden bereits einmal in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts festgestellt. Ein erfolgreicher Vertreter der Fitnessratgeber des frühen 20. Jahrhunderts war das Werk „My system“ des Dänen J.P. Müller, welches ein 15 minütiges, tägliches Training propagierte. Einer seiner bekanntesten Anhänger war der Schriftsteller Franz Kafka. Mit dem Ausbruch und den Folgen des Zweiten Weltkrieges erfuhr der Sport in Deutschland eine wesentliche Zäsur. Davon abgesehen, dass sich der größte Teil der Bevölkerung die kostenintensiveren kommerziellen Anbieter in den Folgejahren nicht mehr leisten konnte, hatte sich zudem ein neues Bedürfnis nach Gemeinschaft entwickelt, das die Menschen in Deutschland eher in die Sportvereine trieb. Im Vergleich zu den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten die kommerzielle Anbieter auch aufgrund der fortschreitenden Angleichung der sozialen und kulturellen Schichten nun nicht mehr als Statussymbol herhalten.

In diesem Einschnitt unterscheidet sich der deutsche Sport- und Fitnessmarkt von dem heutigen „Leitmarkt“ der Fitnessindustrie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Während sich die dortige Entwicklung, wie die frühzeitige Diversifikation der Angebote oder die Entstehung verschiedener Betriebsstrukturen, kontinuierlich fortsetzen konnte, wurde der Markt für professionelle Fitnessanbieter in Deutschland deutlich zurückgeworfen. Diese zeitliche Differenz hat sich bis heute aufgrund der modernen Kommunikationswege und insbesondere der regelmäßig stattfindenden internationalen Messen zwar wieder deutlich angenähert, besteht aber in einigen Bereichen noch immer fort.

In den durch das deutsche Wirtschaftswunder geprägten 50er und 60er Jahren erfuhren gewerbliche Fitnessangebote nur die Nachfrage einer kleinen Gruppe an Fitnessorientierten. Für die große Mehrheit der Deutschen stand Gesundheit und körperliche Fitness nicht mehr im Fokus des Wertehorizontes. Viel mehr war es bei den Zeitgenossen sogar erwünscht, nach der entbehrungsreichen Zeit, den wirtschaftlichen Erfolg auch in der eigenen Körperfülle zur Schau stellen zu können. Erst mit den 70er Jahren erfolgte eine langsame Rückbesinnung auf die Bedeutung eines gesunden Körpers und eine Widererstarkung des Strebens nach persönlicher Individualität.

 

Moderne Zeiten

Die 70er Jahre werden insbesondere im amerikanischen Bereich auch als Beginn der modernen Fitnessindustrie bezeichnet. Grund dafür ist unter anderem die Entwicklung von neuen, nutzungsfreundlicheren Geräten für die Studios durch den Einsatz von variablen Gewichten oder dem ersten stationären Fahrradergometer. Auch belegte die wissenschaftliche Forschung weiterhin den positiven gesundheitsfördernden Effekt regelmäßigen Fitnesstrainings auf den menschlichen Organismus.

Einen noch größeren Schub erhielt die aufstrebende Fitnessindustrie jedoch durch zwei Idole, mit denen sich die Menschen identifizieren konnten und die damit großen Einfluss auf die weitere Entwicklung hatten. Arnold Schwarzenegger, der bereits in den Jahrzehnten zuvor erfolgreich bei verschiedenen Bodybuildingmeisterschaften war, erlangte in den 70ern durch eine Reihe von Filmen weltweite Bekanntheit und gilt noch heute als eine der prägenden Persönlichkeiten der Fitnessszene.

Wenige Jahre später verhalf Jane Fonda Anfang der 80er Jahre mit der Veröffentlichung ihrer Aerobicvideos einer ganzen Sportart zum endgültigen Durchbruch. Mit Frauen konnte eine neue Zielgruppe für die Fitnessstudios gewonnen und zugleich der Grundstein für moderne Kurssysteme gelegt werden. Die weiblichen Kunden fühlten sich damals insbesondere durch den neuen tänzerischen Aspekt, aber auch das gemeinschaftliche Erleben des Trainings angesprochen, welches im Gegensatz stand zu dem eher individualistisch geprägten Gerätetraining.

Ein weiterer wichtiger Trend dieses Jahrzehnts war zudem die steigende Nachfrage nach ausdauerorientiertem Training. Nicht nur die Teilnehmerzahlen bei Volksläufen, sondern auch das Training an speziellen Geräten, die von neu in den Markt eintretenden Geräteherstellern geliefert wurden, erfreuten sich in dieser Zeit immer größerer Beliebtheit. Die sich verschiebende Nachfragesituation führte auch zu einer langsamen Anpassung des Angebotes. Nachdem bereits in den 70er Jahren erste Racketclubs in Deutschland gegründet wurden, die das Training an den Geräten mit Rückschlagsportarten wie Tennis oder Squash verbanden, integrierten die Betreiber nun auch größere Räumlichkeiten für Kursangebote und veränderten ihr Geräteangebot. Es entstanden die ersten Großanlagen, die eine umfangreichere Angebotsbreite umfassten, teilweise Schwimmeinrichtungen unterhielten und oftmals ein eher gehobenes Publikum ansprachen. So fand der heutige Betreiber von sechs Premium-Anlagen in Hamburg, Kiel und Berlin, MeridianSpa, bereits 1984 seinen Ursprung in Hamburg.

Die in Deutschland einsetzende Diversifizierung des Fitnessangebotes blieb jedoch noch hinter der Entwicklung in den Vereinigten Staaten zurück. Neben der Eröffnung von exklusiven High-End Anlagen entstand dort in der gleichen Zeit mit „24h Fitness“ der erste „Discountanbieter“, der erstmals Fitnesstraining zu deutlich günstigeren Preisen anbot. Doch auch die Fokussierung allein auf das weibliche Geschlecht feierte in diesen Jahren mit der Gründung der ersten reinen Frauenstudios Premiere.

Ein weiterer Bereich zur Generierung von Umsätzen mit bestehenden Mitgliedern und Argumente für die Gewinnung neuer Kunden war die in den 90er Jahren aufkommende Einbindung von Club basierten Spa-Anwendungen. Mit diesen im allgemeinen Wellnesstrend immer stärker nachgefragten Leistungen reagierten die Anbieter auf den Wunsch vieler Kunden, das Streben nach Fitness und Attraktivität mit einem entsprechenden Wohlbefinden verbinden zu können. Damit stand nicht mehr allein das Ergebnis eines Trainings im Vordergrund, sondern auch der Aufenthalt an sich. Verstärkt wurde diesem Trend durch entsprechende Entwicklungen im „Programming“, der Gestaltung und der Inhalte des Kursprogramms, Rechnung getragen. Insbesondere von den im Durchschnitt älter werdenden Mitgliedern wurden vermehrt sanftere Aktivitäten wie Yoga und Pilates nachgefragt. Obwohl Pilates bereits in den 1920er Jahren von dem nach New York ausgewanderten deutschen Joseph Pilates erfunden worden war, erzielte es seinen Durchbruch erst durch den neuen Wellnesstrend und die vielfache Aufnahme in die Kursprogramme der Studios.

Eine Entwicklung im Bereich der Anlagenorganisation, die in Deutschland erst Mitte der 90er Jahre einsetzte, war die Entstehung von größeren Fitnessketten. In den USA waren bereits seit 1950 einzelne Studios zu größeren Unternehmen zusammengeschlossen worden. Durch Betreiber wie Gold´s Gym, Bally Fitness oder 24h Fitness wurde die Konsolidierung der Angebotsstruktur jenseits des Atlantiks weiter vorangetrieben. Im Dezember 1999 vereinten die zehn größten Anbieter in Deutschland gerade einmal 330.000 Tausend Mitglieder (ein Marktanteil von 7,7%), 12 Jahre später sind es Ende 2011 bereits über zwei Millionen bzw. mehr als ein Viertel des gesamten Marktes.

 

Das 21. Jahrhundert

Die Entwicklung dieser damals bereits entstandenen und noch neu hinzugekommenen Fitnessketten prägte den Fitnessmarkt in Deutschland in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts. Teilweise finanziert durch externe Kapitalgeber wie Private Equity Gesellschaften gewann diese Betriebsform sukzessive Marktanteile von den als Einzelstudios geführten Unternehmen. Zum Ende des Jahres 2011 vereinigten Betreiber mit mehr als drei Studios bereits 43,2% der 7,6 Millionen Mitglieder, obwohl sie nur 27,3% der Anlagen betrieben. Zu erklären ist diese Diskrepanz zwischen dem Anteil bei Mitgliedern und Studios durch die im Durchschnitt deutlich größeren Einrichtungen der Kettenbetreiber.

Die Betreiber der größeren Einheiten machten sich bei Ihrer Expansion eine Reihe von Vorteilen gegenüber den als Einzelbetrieben geführten Studios zu Nutze. Die Investitionskraft für neue Geräte, Einrichtungen und nicht zuletzt auch neue Clubs ist in der Regel deutlich stärker als bei den rein inhabergeführter Kleinbetrieben.

Auch die Aufwendungen für Marketing und Werbung haben eine größere Bedeutung was zumeist eine stärkere Wahrnehmung zur Folge hat. So ist der Betreiber McFit seit 2007 mit der bis dato größten Marketingkampagne eines Fitnessanbieters in den Medien präsent. Diese beinhaltet unter anderem TV-Werbung, Event-Sponsoring, den Einsatz von Testimonials oder die Herausgabe eines eigenen Fitnessmagazins. Nicht zuletzt verfügen die größeren Unternehmen über die Möglichkeit stärkere Managementkapazitäten vorzuhalten, die für die erfolgreiche Unternehmenssteuerung notwendig sind.

Den am deutlichsten wahrnehmbaren Trend des noch jungen 21. Jahrhunderts stellt die Entwicklung des Discountsegmentes in der Fitnessindustrie dar. Getrieben insbesondere von der McFit GmbH, mit rund 1.000.000 Mitgliedschaften der Marktführer in Deutschland, hat sich dort ein neuer Bereich gebildet, in dem mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern das Leistungsangebot im Wesentlichen auf die Bereitstellung von Ausdauer- und Kraftgeräten fokussiert hat und in der Regel deutlich weniger als 20,- EUR pro Monat an Mitgliedsbeiträgen berechnet werden. Es ist für die Zukunft jedoch nicht davon auszugehen, dass sich dieses Wachstum dauerhaft unvermindert fortsetzen wird. Vielmehr wird sich Discountfitness mit einem gewissen Marktanteil etablieren, andere Anbieter aber damit dauerhaft zwingen sich selbst über ihre Leistungen zu definieren, da sie den Wettbewerb kaum über den Preis gewinnen können. Dass auch die Positionierung am entgegengesetzten Rand des Angebotsspektrums erfolgreich sein kann, beweisen eine Reihe von Betreibern, die sich durch eine umfangreiche, exklusive Angebotspalette auszeichnen und aufgrund ihres Angebots monatliche Mitgliedsbeiträge von teilweise mehr als 100,- EUR verlangen können.

Insgesamt hat das Premiumsegment in den vergangen Jahren seinen Marktanteil behaupten und sogar leicht ausbauen können, so dass die Gewinne der Discountanbieter insbesondere zu Lasten des wenig differenzierten Mediumsegmentes gehen. Das nach wie vor bei manch einem vorhandene negative Image der Fitnessstudios im Allgemeinen und die als Einzelbetriebe geführten im Speziellen, mag zum Teil auch in der unzureichenden öffentlichen Darstellung begründet sein. Während die größeren Fitnessketten die Ressourcen besitzen sich eigenständig zu vermarkten, sind die kleinen Betreiber angewiesen auf eine geschlossene, übergeordnete Vertretung ihrer Interessen. Ein positives Beispiel dieser Art stellt die amerikanische IHRSA (International Health Racquet and Sportsclub Association) dar, die als die wesentliche Institution in den Vereinigten Staaten gilt und nicht zuletzt nach ihrer strategischen Neuausrichtung in den 90ern die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie maßgeblich unterstützt hat.

In Europa nimmt der DSSV – Europas größter Arbeitgeberverband der Fitness- und Gesundheits-Anlagen – eine vergleichbare Position bei der Entwicklung und Ausrichtung der Fitnessbranche ein. Er zählt als Mitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin zu den Spitzenorganisationen der deutschen Wirtschaft. Dabei haben die „kleinen“ Anbieter gerade im Umgang mit Ihren Mitgliedern oft einen entscheidenden Vorteil gegenüber den größeren Fitnessketten. Durch ihren größeren Standortbezug und den engeren Kontakt der Geschäftsführung, die in vielen Fällen identisch ist mit dem Inhaber des Studios, zu den Mitgliedern weisen Einzelbetriebe häufig eine geringere Fluktuationsrate auf, als dies bei Betreibern mit mehreren Studios der Fall ist.

Diese höhere Kundenbindung ermöglicht dem Betreiber eine größere Planungssicherheit und mindert die teureren Investitionen in die Akquisition von neuen Mitgliedern. Denn die wenigsten Mitglieder kündigen aufgrund einer direkten Unzufriedenheit mit ihrem Club, sondern in den allermeisten Fällen, weil sie die Angebote nicht regelmäßig oder gar nicht mehr genutzt haben. Während eine hohe Fluktuation in einem stark wachsenden Markt noch relativ bequem durch die Gewinnung neuer Marktteilnehmer ausgeglichen werden kann, gestaltet sich dieses in einem langsamer wachsenden oder gar stagnierenden Markt deutlich schwieriger. Ziel muss es daher für alle Anbieter sein, durch geeignete Customer-Relationship-Maßnahmen den Kunden von Beginn an möglichst intensiv an seinen Club zu binden.

Der Trend in den USA der vergangenen Jahre hat bereits gezeigt, dass sich die Häufigkeit der Studiobesuche pro Mitglied über die Jahre deutlich erhöht hat. Dabei stellt die Generation 55+ häufig die aktivsten Mitglieder. In einem Markt, in dem insbesondere in den größeren Städten wie New York oder Chicago mittlerweile eine Sättigung an Fitnessangeboten besteht, sind die Clubs dazu übergegangen, die bestehenden Mitglieder stärker „auszunutzen“ und nicht nur durch eine Erhöhung der Besuchsfrequenz, sondern auch durch den stärkeren Verkauf von Zusatzangeboten die Erlöse pro bestehendem Mitglied zu erhöhen.

Dem kommt entgegen, dass sich die Kundenstruktur dieser verhältnismäßig jungen, internationalen Branche in den wenigen Jahrzehnten ihres Bestehens insgesamt deutlich verändert hat. War sie in den Zeiten der klassischen Bodybuildingstudios noch nahezu ausschließlich von männlichen Aktiven im Alter von 18 bis 34 mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen geprägt, hat sich dieses Bild bis heute stark gewandelt. Angezogen insbesondere von Kursangeboten, Ausdauergeräten und Wellnesseinrichtungen stellen Frauen heute im Durchschnitt die Hälfte der Mitglieder. Das Alter der Mitglieder ist aufgrund der Ausrichtung des Angebots auf eher gesundheitsbezogene Ziele angestiegen und dürfte zumeist zwischen 35 und 45 liegen. Mit der Veränderung der Zielgruppen sind die Kunden heute im Allgemeinen deutlich wohlhabender als dies noch vor 20 bis 30 Jahren der Fall war.

 

Ikonen der Branche

Erfolgreiche Branchen bringen auch immer herausragende Persönlichkeiten hervor. Diese haben – teilweise in unterschiedlichsten Bereichen – Standards gesetzt, Innovationen hervorgebracht oder die Branche nachhaltig mit ihrem Schaffen verändert. So ist es auch in der Fitnessbranche der Fall. Auch wenn die folgende Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit beanspruchen kann, beinhaltet sie doch Menschen, die die Fitnessbranche bis heute prägen. Vorhang auf für sechs Ikonen unserer Branche.


Gustav Zander (1835-1920)

Der Erfinder der Kraftgeräte

Vor über 160 Jahren kam ein schwedischer Arzt namens Gustav Zander auf eine bahnbrechende Idee: Er erfand das weltweit erste Kraftgerät. Die Motivation des Schweden zielte vor allem auf die mechanische Behandlung körperlicher Leiden ab. Er entwickelte als Erster Apparate zur mechanischen Unterstützung seiner Heilmethode „medico-mechanische Therapie“.

Diese stieß auf großes Interesse in der Bevölkerung, was dazu führte, dass 1877 die industrielle Herstellung seiner Geräte begann. Zander begann mit seinen revolutionären Geräten zu expandieren. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland bereits 79 sogenannte Zanderinstitute, in denen Patienten mit unterschiedlichsten körperlichen Beschwerden mit den innovativen Geräten behandelt wurden.

Die „Zanderei“ breitete sich weiter aus und machte in ganz Europa und der Welt Schule. Es öffneten Institute in London und New York. In den Hochzeiten vor dem Ersten Weltkrieg trainierten rund 100.000 Menschen in den 79 Zander-Instituten.

 

Eugen Sandow (1867-1925)

Der Urvater des Bodybuildings

Der in Ostpreußen geborene Friedrich Wilhelm Müller erlangte unter dem Künstlernamen Eugen Sandow in Europa und Amerika Berühmtheit und gilt als Urvater des Bodybuildings. Sein Weg dorthin war reichlich unkonventionell: Auf der Flucht vor dem Militär schließt er sich im 19. Jahrhundert einem Wanderzirkus an, wo er mit dem Stemmen von Menschen und Pferden im Rahmen der Zirkusvorstellungen auf sich aufmerksam macht. Bald schon wurden diese lebendigen Hilfsmittel durch das Kopieren der Posen von griechischen Statuen ersetzt, die bis heute in der Bodybuildingszene auf den Bühnen dieser Welt zum Gewinn von Titeln unerlässlich sind.

Zusätzlich kreiert Eugen Sandow nie dagewesene Trainingsstandards, die Ergebnisse lieferten, die bis heute seinesgleichen suchen. Sein Publikum ist begeistert von der vollkommen neuartigen Darbietung des männlichen Körpers und löst einen Körperkult in Amerika aus. Denn bereits am Ende des 19. Jahrhunderts hadert der moderne Mann mit seinem Rollenbild. Die Büroarbeit ist dabei die körperliche Arbeit abzulösen, was am Körper des damaligen Mannes nicht spurlos vorübergeht. Durch Eugen Sandow schöpft der amerikanische Mann wieder Hoffnung – die klassische Rolle des Beschützers und Ernährers scheint nun wieder in greifbare Nähe zu rücken. Sandow avanciert dabei in Amerika und Europa zum Star, eröffnet mit dem „Physical Culture Studio“ in England 1897 das erste moderne Fitness-Studio und richtet vier Jahre später den weltweit ersten Bodybuilding-Wettkampf aus – mit einer Zuschauerzahl von 15.000 Menschen. Dass Englands König Georg V. ihn zu seinem Personal Trainer und US-Präsident Theodore Roosevelt ihn zum Gesundheitsberater der USA beruft, sind bei seinem Werdegang fast schon Nebensächlichkeiten.

 

Joe Weider (1919-2013)

Der Schöpfer von Mr. Olympia

Joe Weider war ein Frühstarter. Bereits in der frühen Pubertät baute er eigenhändig aus Autoreifen Hanteln, betrieb intensiv Kraftsport und veröffentlichte bereits mit 14 Jahren die erste Ausgabe der ‚Muscle & Fitness“, die noch heute ein international anerkanntes Magazin für Kraftsport, Fitness und Bodybuilding ist. Weitere Magazine, wie z. B. Flex, sollten folgen.

Etwas mehr als ein Jahrzehnt später gründete Joe mit seinem Bruder Ben Weider den Bodybuilding-Verband ‚International Federation of Bodybuilding & Fitness (IFBB)‘. Dieser Schritt war – in Anbetracht der damaligen Zeit – mutig und wie sich bereits wenig später herausstellte, enorm erfolgreich. Heute hat die IFBB weltweit 183 nationale Unterverbände. Im Rahmen der Gründung des IFBB rief Joe Weider den Bodybuilding-Wettkampf Mr. Olympia ins Leben, der bis heute zu einem der Highlights der Bodybuildingszene zählt.

Weider ist ein Pionier auf vielen Gebieten, was er mit dem ersten Versandhandel von Nahrungsergänzungsmitteln für Bodybuilder kurze Zeit später erneut unter Beweis stellt. Heute ist die Firma Weider einer der Marktführer für Nahrungsergänzungsmittel im Fitnessbereich.Sein Gespür für Erfolg beweist Weider nicht zuletzt auch als früher Förderer von Arnold Schwarzenegger, den er zu dem machte, der er heute ist – ein Weltstar.

 

Jane Fonda (1937)

Das Sexsymbol des Aerobic-Imperiums

Jane Fonda hat viele Facetten. Neben ihren herausragenden schauspielerischen Leistungen, die mit zwei Oscars gewürdigt wurden, war Fonda stets politisch aktiv. Ihre Rolle als Sexsymbol einer ganzen Generation verhalf ihr jedoch schließlich zu dem, womit man sie auch heute noch als erstes assoziiert: Aerobic-Videos.

Als sie Ende der 70er Jahre begann diese in Form von Videokassetten unter die Menschen zu bringen, fand man sie zweitweise in Millionen von Wohnzimmern weltweit. Heute wird geschätzt, dass sie mit ihrem Fitness-Imperium rund 600 Mio. Dollar verdient habe. Nicht zuletzt, weil Fonda mit ihren Videos eine weltweite Fitnesswelle erschuf, deren moderne Ableger sie auch noch heute beeinflusst, gehört sie in die Liste der Ikonen unserer Branche.

 

Werner Kieser (1940)

Der Rückenflüsterer

1966 eröffnete Werner Kieser sein erstes Kraftstudio in Zürich – heute gibt es allein in Deutschland 115 und europaweit insgesamt rund 150 Kieser Training-Studios. Es ist aber nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, der Werner Kieser zu einer der Ikonen der Fitnessbranche hat avancieren lassen. Es ist auch das unverwechselbare System und die unverwechselbare Marke, die sich nun schon seit über 40 Jahren erfolgreich im Fitnessmarkt hält: Taschentücher sind Tempos, Haushaltsartikel aus Plastik sind Tupper, Mineralwasser ist Selters. Und Rückentraining? Rückentraining ist Kieser.

Im Mittelpunkt dieses Systems steht ohne Zweifel der gesunde Rücken. Ohne Fernseher, ohne Musik – für Werner Kieser ist das Firlefanz, der vom eigentlichen Ziel ablenkt. Denn Training soll keinen Spaß machen, sondern glücklich. Training ist Stress und daher muss es kurz und intensiv sein. Diese Ansicht, die momentan in Form von HIT (hochintensives Intervalltraining) en Vogue ist, predigt er seit über 40 Jahren. Mit ein wenig Genugtuung blickt er auf diese aktuelle Entwicklung in der Fitnessbranche, in der er bis heute polarisiert.

Neben dem Aufbau zahlreicher Fitness-Anlagen und dem speziellen Kieser-Trainingsprinzip, ist Werner Kieser für eine Vielzahl von selbst konstruierten Fitnessgeräten verantwortlich. Geld zu verdienen sei für ihn sekundär – ihm gehe es darum, Ideen umzusetzen. Ein lobenswerter Satz, den man von einem Unternehmer öfter zu hören bekommt. Kieser jedoch nimmt man das ab.

 

Arnold Schwarzenegger (1947)

Der Multistar

Bodybuilder, Immobilienmakler, Filmstar, Politiker – Arnold Schwarzenegger war in vielen Branchen unterwegs. Doch so unterschiedlich diese sein mögen, verband sein Wirken in diesen immer eines: er war erfolgreich.

Schwarzenegger wusste schon in seiner frühen Kindheit, dass er ein Gewinner war und für große Dinge bestimmt war. „Manche Menschen werden bemerken, dass dieses Denken völlig unbescheiden ist. Ich stimme zu.“ Dieser unbedingte Wille zum Erfolg ist der Schlüssel dafür, dass Schwarzenegger heute wie kein anderer mit der Fitnessbranche in Verbindung gebracht wird. Sieben Mal Mr. Olympia, fünf Mal Mr. Universum, Mr. Europe, Mr. International und Mr. World. Erst, als er das Gefühl hatte, dass er im Bodybuilding nicht weiter vorankam, wandte er sich einer anderen Branche zu – um auch dort der Beste zu sein.

Momentan bastelt Schwarzenegger weiterhin an seiner politischen Karriere. Um auch dort der „Beste“ zu werden bedarf es jedoch einer Verfassungsänderung. Das Amt des US-Präsidenten können nach momentaner Rechtslage in den Vereinigten Staaten nur dort geborene Personen werden. Die Zukunft wird zeigen, ob er dank seines Ehrgeizes auch diese Hürde nehmen wird.

 

Phillip Mills (1955)

Der Visionär des Gruppentrainings

Der Neuseeländer Phillip Mills betrieb mit seinem Vater Les Mills in den 1970er Jahren mehrere Fitness-Studios. Schnell fiel ihm dabei auf, dass es beachtliche Qualitätsunterschiede innerhalb seiner Studios gab. Aus diesem Problem entstand Jahre später das Gruppenfitnessprogramm Les Mills, das heute in rund 80 Ländern und in über 15.000 Fitness-Studios weltweit Anwendung findet.

Les Mills hat den Gruppenfitnessbereich revolutioniert, indem die Kurse standardisiert vorchoreografiert, mit geschulten Instruktoren ausgestattet und mit aktueller Musik gestützt wurden – kurz gesagt: egal wann und egal wo wurde gleichbleibend hohe Qualität im Kursbereich geschaffen. Der Studiobetreiber konnte seinen Kunden somit erstmals ein hohes Maß an Kontinuität, Planungssicherheit und Effizienz bieten. So wurde aus dem Les Mills-Konzept ein Kassenschlager, der bis heute anhält. Phillip Mills sei Dank.